Am Vorabend waren wir noch am Plaza Mayor, dem zentralen Treffpunkt der Stadt, wo eine Live-Band spielte, bis ein Regenguss dem Treiben Einhalt gebot. Diesen warteten wir in der Casa de la Musica ab, bis die Abendsonne die Stadt wieder in goldenem Licht erstrahlen ließ. So schlenderten wir noch ein wenig durch die Gassen und trafen dabei auf einen Cowboy, der versuchte an vorbeikommende Touristen Reittouren zu verkaufen. Der Preis von 15 CUC schien uns nicht übertrieben und so buchten wir.
Pünktlich um neun Uhr morgens waren wir, noch etwas müde, am vereinbarten Treffpunkt. Als die Gruppe zusammen war begaben wir uns zu den Stallungen, wo jeder von uns ein Pferd zugewiesen bekam. Ein Gaul verhielt sich etwas störrisch und natürlich bekam ich diesen zugewiesen. Dann ging der Ritt los. Außerhalb Trinidads sind in der phantastischen Landschaft einige Reitwege ausgetreten und scheinbar kennen die Pferde bereits die Wege. Man muss ihnen eigentlich nur sagen, wie sie entgegenkommenden Reitern ausweichen sollen. Mein Tier entpuppte sich als recht clever und wollte gerne immer vorne dabei sein. In teilweise leichtem Trab ging es zur ersten Station des Ausritts. Ein Restaurant, wo für uns Zuckerrohr gepresst wurde, dessen Saft wir dann probieren durften. Natürlich mit etwas Rum darin, zum Frühstück. Nach der kurzen Pause ging es zu einer kleinen Bude, wo ein Kaffeebauer sein Produkt anpries, dabei etwas über Kaffee erzählte und mit traditionellen Mahl- und Filtrierungsmethoden zubereitete. Für 1.5 CUC durfte man eine Tasse probieren.
Mit Rum im Kopf und Kaffee in der linken Herzkammer ging es dann weiter den Reitweg entlang zum, ob der Hitze, lang ersehnten Wasserfall, der eine Abkühlung versprach. Man musste allerdings noch einen kleinen Feldweg zu Fuß bewältigen. Als wir am Ziel waren, waren wir natürlich nicht die einzigen. Es war bereits ein Gewusel an Touristen dort. Am Fels war eine kleine Bude aufgebaut, an der man Mojitos kaufen konnte.
Nach dem Baden im Naturpool und den ersten Mojitos hatten wir uns schon mit den Leuten aus unserer Gruppe angefreundet und es wurde eine illustre Gesellschaft daraus. Unser Guide feierte ausgiebig mit, sodass sein, ohnehin schon nicht leicht zu verstehendes Spanisch noch unverständlicher wurde. Am Nachmittag ging es dann wieder auf die Pferde, da sich der tägliche Regeguss ankündigte. Leider schafften wir es nicht mehr trocken nach Hause zu reiten. Als der Regen stärker wurde kehrten wir wieder in dem Restaurant ein, welches wir am Morgen besucht hatten. Nach einer kleinen Stärkung und einer Runde Bucanero entschlossen wir uns, des anhaltenden Regens zum Trotz, wieder auf die Pferde zu steigen und weiter zu reiten. Die Wege waren mittlerweile so aufgeweicht, dass nun auch die Pferde sichtlich Mühe hatten, durch den Schlamm zu kommen. Meines rutschte sogar aus und so lag ich dann im Dreck, aber da konnte ja das Pferd nichts zu. Bis auf die Knochen durchnässt kamen wir am späten Nachmittag wieder in Trinidad an, wo wir noch eine kurze Pause bei unserem, recht angetrunkenen Guide einlegten, um unseren Trip zu bezahlen. Danach verabredeten wir uns noch mit den beiden Mädels aus unserer Gruppe, Miriam und Sonja, für den Abend und gingen im Regen nach Hause.
Nach einer Dusche, Klamottenwechsel und fünf Minuten Augenpflege mussten wir natürlich noch etwas essen gehen und so begaben wir uns zu unserem Lieblingsladen, das „Taco Loco“, wo es die besten Tacos der Stadt zum kleinen Preis gibt. Der Regen hatte mittlerweile aufgehört, aber eigentlich hatten wir gar keine Lust mehr am Abend noch rauszugehen und so trafen wir uns nur noch kurz mit den beiden auf einen Cocktail, bevor wir wieder zu unserer Casa zurückkehrten, um nach einem durchweg gelungenen Tag den Matratzenhorchdienst anzutreten.
Heute mussten wir zunächst einmal etwas länger Schlafen. Als wir es dann doch endlich schafften, aus dem Haus zu gehen, war bereits die Mittagshitze in vollem Gange. Wir schafften es zum Plaza, wo wir eine Internetpause einlegten. In der Hoffnung auf eine Klimaanlage gingen wir in das Museum am Platz. Die gab es dort natürlich nicht. Statt dessen einige Ausstellungsräume die recht spärlich ausgestattet waren. Im Untergeschoß befand sich eine Sammlung Spatzierstöcke, daneben eine archäologische Sammlung mit einigen Faustkeilen und einer Rekonstruktion einer Grabstätte. Im Obergeschoß gab es eine Kunstausstellung, wo alle Bilder schief hingen. Auch ist in dem Museum eine Tanzschule untergebracht.
Kurz vor zehn waren alle, wie verabredet an unserer Casa Partikular. Vero und Marc, die wir gestern am Kai kennen gelernt hatten und der Taxifahrer, den wir an der Straße angesprochen hatten. Wir zwängten uns in den alten Moskowitsch und los ging die Fahrt in Richtung des El Nicho Nationalparks. Es ging viel über Land und durch einige Dörfer. Das letzte Stück war eine Landstraße, die in die bergige Region der Sierra Madre führte. So musste der Wagen viele steile Anstiege bewältigen, die ihn an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit brachten, bis der Motor überhitzte und wir eine kleine Pause einlegen mussten. Der Fahrer füllte einen Kanister Kühlwasser nach und besorgte neues aus einem Bach. Nach einiger Zeit war der Motor dann wieder hinreichend abgekühlt so, dass ein neuer Versuch unternommen werden konnte. Tatsächlich schaffte es der Wagen bis zum höchsten Punkt des Anstiegs. Doch wo es nach oben geht, geht es irgendwann auch wieder bergab und so glühten nun sowohl die Bremsen, als auch die Kupplung.
Halbwegs pünktlich wollten wir heute aufstehen, denn es war ja der große Tauchausflug an die Karibik-Küste geplant. Als Peter mit dem Kaffe auf unser Zimmer kam, hatte er eine weitere schlechte Nachricht: Bis zwölf Uhr sollten wir unser Zimmer räumen, da alle Räume für die nächsten fünf Tage vermietet seinen. Mist! Also mussten wir schnell reagieren. Schnell das Morgenprogramm erledigt und packen. Wir durften unser Gepäck solange dort lassen, bis wir eine neue Unterkunft gefunden hatten. Während Peter und Alex sich mit der Hilfe der Hausangestellten ein Zimmer suchten, ging ich zum Aquazul-Hotel, um mich um die Umbuchung der Tauchgänge zu kümmern, denn an die Karibikfahrt war jetzt nicht mehr zu denken. Zur Umbuchung musste ich mit zum Dive-Center fahren, welches glücklicher Weise nur zehn Minuten zu Fuß entfernt war. Anstandslos buchten sie uns auf den nächsten Tag und wir verabredeten, um acht Uhr am Aquazul sein. Ich lief zurück zu unserer Casa, wo der Chef schon wieder unter dem Einfluss des Frühstücksrums stand. Während meiner Abwesenheit hatten Alex und Peter schon ein neues Zimmer organisiert, welches aber erst um gegen Mittag bezugsfertig sein sollte. So vertrieb ich mir die Zeit mit einem Spaziergang und Kaffeetrinken, während Peter und Alex sich am Strand verlustierten.
Weil wir ja nicht ewig in Varadero bleiben wollen, war heute der Tag, an dem wir unsere Weiterreise zu planen gedachten. So begaben wir uns denn zum WIFI-Punkt, um eine Unterkunft in Cienfuegos zu organisieren. Das war auch kein Problem. Über Hostelclub.com fanden wir eine recht günstige Casa Partikular, die wir auch sofort für den übernächsten Tag buchten, denn morgen ist ja noch eine Fahrt zum Tauchen geplant. Dann mussten wir noch den Bus buchen. Also führen wir mit einem Velo-Taxi zur Viazul-Station, wo wir uns am Ticketschalter anstellten. Hier gab es dann die nächste schlechte Nachricht, denn an der Bus war schon ausgebucht. Die nächste Möglichkeit ist somit erst am Samstag, also haben wir schnell gebucht, bevor uns das dann auch noch durch die Lappen geht. So mussten wir also zurück und unsere Buchung für das Zimmer direkt wieder ändern, mittels einer E-Mail direkt an den Betreiber der Unterkunft. Wir haben also auch hier wieder gelernt, dass Kuba echt kein Land für Individualreisende ist – erst Bus, dann Zimmer!
Der erste Gang des Tages führte uns zur Bank, mit der Feststellung, dass hier zwar meine Visa-Karte, nicht aber Alex Master-Karte am Automaten funktioniert. Alex hat noch mehrere Banken ausprobiert, es bleibt aber hier nur die teure Möglichkeit der direkten Barauszahlung. Allerdings nicht mehr am selben Tag, da der entsprechende Automat kaputt war.
Nachdem der gestrige Kneipenabend länger ausgefallen war als geplant, konnten wir unsere Weiterfahrt nicht mehr am selben Tag organisieren. Und so versuchten wir zumindest für den nächsten Tag Tickets zu bekommen. Vor dem Ticketschalter sprach uns ein Tour-Organisator an, der uns mitteilte, dass der Bus für den Folgetag bereits voll sei. Ich glaubte ihm natürlich kein Wort. Als wir zum Schalter wollten drängelte er sich vor und sagte etwas auf unverständlichem Spanisch zu dem Mann am Schalter, der uns daraufhin erklärte, dass der Bus für drei Tage ausgebucht wäre. Was für eine Mafia! Der wollte uns also zwingen, das teure Taxi von ihm zu kaufen. Unverrichteter Dinge zogen wir wieder ab, um von unserer Unterkunft unseren ehemaligen Fahrer Victor anzurufen. Der kommt dann auch morgen um uns nach Havanna zurück zu bringen.
Nach einer lang andauernden Diskussion, wohin und warum wir dorthin wollten, die aber zu keinem Ergebnis führte, bestellten wir dann doch ein Taxi, um uns die Sehenswürdigkeiten der Umgebung anzuschauen.
Schon morgens, nach dem Frühstück, sind wir losgelaufen, um uns nicht in der extremen Mittagshitze fortbewegen zu müssen. Wir sind durch einige Nebenstraßen, von unserer Casa aus, welche and der Grenze zu Centro liegt gelaufen, immer in Richtung Vieja, unserem Ziel. Die Gebäude hier sind schon recht verfallen, aber an den Straßenseiten stehen vielfach jene uralten Schlitten herum, die für Kuba so typisch sind. Die Menschen gehen ihren Tätigkeiten nach oder versuchen möglicht viel Schatten abzubekommen. Nach einiger Zeit kamen wir auf den großen Boulevard, welcher Richtung Vieja führt. Da wir bei alledem Gestank, den die Abgase der Autos erzeugen nicht lange über die Hauptstraße laufen wollten, bogen wir nach Norden ab und kamen dort offensichtlich nach Chinatown, wo die Leute sichtlich mehr versuchten ihre Gebäude in Schuss zu halten. Nach einiger Zeit waren wir dann beim Capitol angekommen.
Da wir gestern noch einige Zeit auf dem Balkon zusammen verbracht haben, sind wir erst so gegen neun aufgestanden. Der Handwerker hat uns geweckt, der im Zimmer von Anne und Holger das Mobiliar aufbrezelt. Nach dem Frühstück kam Raul, um uns zu einem Strand zu bringen, der ca. 20 Kilometer außerhalb von Havanna liegt. Mit fünf Personen zwängten wir uns in seinen 20 Jahre alten Wagen mit der kaputten Kupplung. Nach etwa einer dreiviertel Stunde kamen wir dort an. Da das vor-sich-hin-oxidieren in der Sonne nun wirklich nicht mein Ding ist und die Umgebung wohl nichts hergab, um dort ein wenig herumzulaufen, beschloss ich direkt wieder zurück zu fahren, um mich in Havanna zu verlustieren. Raul brachte mich zurück zur Casa de Auralia, wo ich mir festes Schuhwerk anzog und mich mit Karte und Kompass auf den Weg machte. Hier in der nähe liegt der Plaza de la Revolution also bin ich erst einmal dorthin gestiefelt. Südlich des großen Platzes liegt das riesige Monument für Jose Marti, dem Nationalhelden Kubas, welcher im ersten Gefecht des zweiten Unabhängigkeitskrieges nach fünf Minuten vom Pferd geschossen wurde und somit zum Märtyrer avancierte. Im Sockel des Denkmals gibt es ein Museum, welches klimatisiert ist und daher war es mir den einen CUC wert, der den Eintrittspreis darstellte. Nach der intensiven Besichtigung der Ausstellung fand ich an der Rückseite eine kleine Bude, an der man einen Kaffee bekommen konnte. Hier beschloss ich noch ein wenig zu verweilen, bevor ich mich weiter auf den Weg machte.