Zu Fuß in die Stadt

Wie HamingwaySchon morgens, nach dem Frühstück, sind wir losgelaufen, um uns nicht in der extremen Mittagshitze fortbewegen zu müssen. Wir sind durch einige Nebenstraßen, von unserer Casa aus, welche and der Grenze zu Centro liegt gelaufen, immer in Richtung Vieja, unserem Ziel. Die Gebäude hier sind schon recht verfallen, aber an den Straßenseiten stehen vielfach jene uralten Schlitten herum, die für Kuba so typisch sind. Die Menschen gehen ihren Tätigkeiten  nach oder versuchen möglicht viel Schatten abzubekommen. Nach einiger Zeit kamen wir auf den großen Boulevard, welcher Richtung Vieja führt. Da wir bei alledem Gestank, den die Abgase der Autos erzeugen nicht lange über die Hauptstraße laufen wollten, bogen wir nach Norden ab und kamen dort offensichtlich nach Chinatown, wo die Leute sichtlich mehr versuchten ihre Gebäude in Schuss zu halten. Nach einiger Zeit waren wir dann beim Capitol angekommen.

Da wir uns mit Peter verabredet hatten, suchten wir den Plaza Vieja, weil wir davon ausgingen, dass unser Treffpunkt dort in der nähe läge. Dort angekommen bestellten wir einen Kaffe im Escorial, wo schon Hamingway gesessen haben soll. Allerdings war die Bedienung sehr unfreundlich und so verzichteten wir auf ihr Trinkgeld. Als nächstes hieß es dann den Treffpunkt zu finden. Nach einigem Umherlaufen und Durchfragen, fanden wir dann das Restaurant mit der Salsa-Band, wo wir zwei Tage zuvor schon gegessen hatten. Dort trafen wir auf Peter und Raul, um dort einmal mehr zu speisen. Anne wurde sogar von dem Sänger der Band zum Tanz aufgefordert.

Danach gingen wir noch einige Zeit durch die Geschäfte und setzten uns dann in ein Straßencafe, wo ebenfalls eine Band spielte. Dort tranken wir einen Mojito und ich lernte von dem Spieler der dreisaitigen Gitarre – einer Tre – das Lied Guantanamera auf seinem Instrument zu spielen. – Das hat Spaß gemacht.

Später holte uns Raul wieder ab und wir fuhren zurück zu unserer Unterkunft, wo wir den Rest des Abends mit der Planung unserer Weiterreise verbrachten.

Der erste echte Urlaubstag

Der StrandDa wir gestern noch einige Zeit auf dem Balkon zusammen verbracht haben, sind wir erst so gegen neun aufgestanden. Der Handwerker hat uns geweckt, der im Zimmer von Anne und Holger das Mobiliar aufbrezelt. Nach dem Frühstück kam Raul, um uns zu einem Strand zu bringen, der ca. 20 Kilometer außerhalb von Havanna liegt. Mit fünf Personen zwängten wir uns in seinen 20 Jahre alten Wagen mit der kaputten Kupplung. Nach etwa einer dreiviertel Stunde kamen wir dort an. Da das vor-sich-hin-oxidieren in der Sonne nun wirklich nicht mein Ding ist und die Umgebung wohl nichts hergab, um dort ein wenig herumzulaufen, beschloss ich direkt wieder zurück zu fahren, um mich in Havanna zu verlustieren. Raul brachte mich zurück zur Casa de Auralia, wo ich mir festes Schuhwerk anzog und mich mit Karte und Kompass auf den Weg machte. Hier in der nähe liegt der Plaza de la Revolution also bin ich erst einmal dorthin gestiefelt. Südlich des großen Platzes liegt das riesige Monument für Jose Marti, dem Nationalhelden Kubas, welcher im ersten Gefecht des zweiten Unabhängigkeitskrieges nach fünf Minuten vom Pferd geschossen wurde und somit zum Märtyrer avancierte. Im Sockel des Denkmals gibt es ein Museum, welches klimatisiert ist und daher war es mir den einen CUC wert, der den Eintrittspreis darstellte. Nach der intensiven Besichtigung der Ausstellung fand ich an der Rückseite eine kleine Bude, an der man einen Kaffee bekommen konnte. Hier beschloss ich noch ein wenig zu verweilen, bevor ich mich weiter auf den Weg machte.

Ich umrundete das große Areal, welches sich nördlich an den Plaza anschließt. Mit dem Ministerium für Kommunikation, an dessen Fassade das Konterfei Che Guevaras prangt. Nach einiger Zeit des Umherlaufens war ich dann ob der Hitze so K.O., dass ich beschloss, zur Casa zurückzukehren. Später kamen auch die anderen zurück und wir wollten noch etwas essen gehen. Wir begaben uns zu einem Einkaufszentrum in der Nähe. Hier war aber leider bereits alles geschlossen. Nur ein kleiner Burger-Laden an der Ecke hatte noch auf. Hier gab es den wohl schlechtesten Hamburger der Welt. Nur der Hunger konnte ihn hineintreiben.

Tag der Besorgungen

Heisser SchlittenNach dem Aufstehen und einem Frühstück in unserer Casa Partikular hatte Peter, der schon seit Donnerstag auf Kuba war, seinen Kumpel Raul zu uns bestellt, um uns durch die Stadt zu fahren. Da unser Gepäck ja erst am Abend ankommen sollte, hatten wir einige Dinge abzuarbeiten. Eine neue Zahnbürste wollte ebenso besorgt werden, wie Bier und neue Schläppchen für Alex. Die Neuigkeit des Morgens war, dass Anne und Holger mit dem nächsten Flugzeug nachkommen würden. Sie mussten zwar Umbuchen und eine Nacht in Madrid verbringen, aber alles war besser als den Urlaub abzubrechen.

Raul brachte uns also zunächst zum ATM, wo wir unsere Kreditkarten ausprobieren konnten und tatsächlich hat alles wunderbar funktioniert. Ich habe den Höchstbetrag von 200 CUCs abgehoben und der Automat spuckte einen riesigen Stapel 5er aus – super. Mit dem frischen Bargeld ausgestattet ging es dann in einen Supermarkt am Malecon, wo unsere Tagesbedürfnisse aufgefrischt werden konnten. Der Wasserschalter war allerdings geschlossen und so mussten wir auf den Erwerb jenes Durstlöschers verzichten. Zur Erfüllung der Schläppchen-Mission brachte uns Raul direkt nach Havanna-Vieja, die Altstadt. Hier herrscht ein reges und geschäftiges Treiben. In den schachbettartig angelegten Gässchen gibt es viele Geschäfte und Cafes. Vor dem Laden der Telekommunikationsbehörde bildete sich bereits eine lange Schlange. Hier erwirbt man wohl die Internetkarten. Die wichtigen Geschäfte für Alex hatten jedoch noch geschlossen und so begaben wir uns in ein Cafe um etwas zu trinken. Als die Läden dann um 12.30 Uhr öffneten konnte Alex dann endlich ihre Schläppchen besorgen. Unser Kumpel Raul zeigte uns danach eine kleine Markthalle, wo wir an einer Theke ein Bierchen zu uns nahmen, während die Leute sich anstellten, um Eier zu kaufen. Auf dem Rückweg kamen wir an einem Restaurant vorbei, in dem eine Salsa-Band zum Tanz aufspielte. Wir beschlossen, dort noch zu verweilen und etwas zu essen. Ich hatte einen Cubana-Sandwich, der reichlich mit Schinken belegt war – lecker!

Gegen vier waren wir zurück in unserer Casa Particular, wo wir den Rest des Tages mit einem kleinen Schläfchen und dem langen warten auf Anne, Holger und unser Gepäck verbrachten. Um kurz vor zwölf fuhr dann endlich ihr Taxi vor und die beiden hatten auch unsere Rucksäcke dabei. Juhu – dann kann der Urlaub ja endlich losgehen.

Die katastrophale Anreise

Casa AuraliaGuter Dinge bin ich um sechs Uhr morgens aufgestanden. Nach ein paar Kaffee und der schnellen Dusche war es dann auch an der Zeit das Wasser und den Strom abzustellen, um mich auf die Reise zu begeben. Ich holte Anne und Holger von Zuhause ab und gemeinsam fuhren wir zu meinen Eltern, die uns zum Flughafen brachten. Dort trafen wir auf Alex. Der Checkin war noch nicht offen und so mussten wir noch etwa eine halbe Stunde warten. Bei der Aufgabe des Gepäcks fragte Alex noch den Schalterbeamten, ob denn unsere Rucksäcke auch wirklich in Kuba ankommen würden. Dieser versicherte uns, dass er alles dafür notwendige getan hätte und so vertrauten wir auf seine Fachkompetenz.

Der Flieger nach Madrid startete pünktlich und nach zweieinhalb Stunden waren wir in der Hauptstadt Spaniens. Der Flughafen ist wirklich riesig und wir mussten uns zunächst einmal orientieren, denn wir mussten das Terminal wechseln. Mit einer automatischen U-Bahn ging es unterirdisch zum Terminal 4s, von wo aus die außereuropäischen Flüge starten. Wir hatten noch etwas Zeit und so kauften wir im Dutyfree-Shop dinge ein, die man für ein schönes Picknick so braucht. Wein, Schinken, Salami und eine Flasche Bayleys. Vor dem Gate veranstalteten wir daraufhin unser Picknick und waren super gelaunt.

Diese Stimmung wurde jedoch jäh zunichte gemacht, als es darum ging, in den Flieger zu kommen. Am Gate wurden nämlich die Visa überprüft. Alex und ich hatten natürlich welche. Anne und Holger leider nicht, denn sie dachten, dass es die „Touristenkarten“, wie diese Visa heißen, entweder am Flughafen in Havanna oder auch schon im Flugzeug gäbe. Leider scheint beides nicht der Fall gewesen zu sein und so wurden die Beiden herauskomplimentiert. Wir waren alle geschockt. Aber es half nichts: Kein Visum – kein Flug! Da es für Alex und mich keinen Sinn machte jetzt auch dort zu bleiben stiegen wir im letzten Moment ein, mit recht schlechtem Gewissen, die beiden dort alleine gelassen zu haben. Allerdings waren die beiden scheinbar nicht die einzigen, denen die Mitnahme verweigert wurde. Da jetzt natürlich deren Gepäck ausgeladen werden musste hatten wir bei Abflug schon eine Stunde Verspätung. Auf den Schrecken haben wir uns erst einmal ein paar Bierchen genehmigt. So lange, bis die Stewardess uns keine mehr geben wollte. Wir haben dann noch einen Film auf Alex´ Handy geguckt, bevor wir versuchten etwas Nachtruhe zu bekommen.

Die Stunde Verspätung konnte der Pilot nicht mehr aufholen und so landeten wir um viertel nach zehn Ortszeit in Havanna. Nach den üblichen Einreiseformalitäten begaben wir uns umgehend zum wahrscheinlich langsamsten Gepäckband dieses Planeten. Alle paar Minuten wurde ein neues Rollköfferchen darauf gelegt. Wir ich wartete geduldig, während Alex sich mitten im hektischen treiben hinlegte, um noch eine Mütze voll Schlaf zu nehmen.

Zwei Stunden später fuhren nur noch zwei Koffer artig ihre Runden und die Arbeit dort wurde langsam eingestellt. Unsere Rucksäcke waren natürlich noch nicht da! Auf unsere Nachfrage wurden wir zum „Lost And Found“- Schalter geschickt, wo unter der Kategorie „Found“ unser Gepäck jedoch nicht zu finden war und so sprachen wir mit der Frau, welche wohl für die Abteilung „Lost“ zuständig war. Sie nahm unsere Gepäckversicherungs-Schnipsel, tippte einige Zeit auf ihrem Computer herum und sagte uns, dass unsere Rucksäcke noch in Madrid währen und mit der nächsten Maschine ankommen würden, welche morgen um die gleiche Zeit landen würde. Ich gab ihr die Adresse von unserer Casa Partikular, einer Privatunterkunft, und sie versicherte uns, dass die Rucksäcke zu uns gebracht würden. Ich bin mal gespannt, ob das wohl klappt.

Nur mit unserem Handgepäck passierten wir die Zollkontrolle. Jetzt hieß es erst einmal an Geld zu kommen, denn es war ja schon mitten in der Nacht. Vor dem einzigen Wechselschalter, der noch geöffnet war, wartete schon eine ganze Schlange von Leuten, in die wir uns einreihten. Nach einer weiteren halben Stunde konnten wir dann etwas Bargeld eintauschen und endlich ein Taxi zu unsrer Unterkunft nehmen. Das Taxi hat mal locker 30 CUC gekostet, aber das war uns zu diesem Zeitpunkt nun wirklich egal. Noch eine schnelle Dusche und dann ab ins Bett.

Von Flügen mit Iberia kann ich nur dringend abraten. Nicht nur, dass das Gepäck nicht ankommt, der Service und dass Essen sind auch mehr als schlecht und das Entertainment-System ist auch nicht vorhanden.